Gastbeitrag --> der Montag aus Christians sicht Danke dafür!

Veröffentlicht auf von Christian S

Es ist wieder soweit! Die Spielabende, Playstationsessions und Vorglühveranstaltungen in verräucherten Wohnungen mit permanenter Raubkatzenbedrohung haben wieder einen erst zu nehmenden Konkurrenten was die Freizeitgestaltung anbelangt. Der letzte Rest des ungewöhnlich langen Winters ist dem ersten zarten (morgens aber noch durchaus frischen) Frühlingswetter gewichen und gleich einer biologischen Uhr steigt der natürliche Drang einen Schuppenträger aufs Kreuz zu legen ins schier Unermessliche. Am Montag den 12.04.2010 hatte das Warten schließlich ein Ende gefunden. Der Abend zuvor stand dabei ganz im Zeichen der Vorbereitungen: die Montagen mussten vorbereitet, neue Schnüre auf die verstaubten Rollen gezogen, nochmal ein Tropfen Sonnenblumenöl ins Rolleninnere geträufelt und ein neuer Schlachtplan für den nächsten Tag ausgetüftelt werden. Denn dieser Montag sollte nicht irgendein Angeltag sein, es war der Angeltag! Nicht nur das dieses Jahr der Winter einen ziemlich langen Atem hatte, uns die Seen unbefischbar gehalten hatte und manch einen schon gar vergessen lies, wie es sich anfühlt einen Fisch am anderen Ende seiner Schnur zu drillen;  nein, dieser Montag war zudem auch noch der Entscheidungswettkampfangeltag der letztjährigen Angelsaison 2009. Es deutete sich ein Herzschlagfinale an, da am Anfang des Tages Christian und Carlo jeweils an der Spitze der Wertung standen und Sören mit nur einem hauchdünnen Abstand dahinter auf jeden kleinen Ausrutscher der beiden Führenden lauerte. Dementsprechend angespannt war auch die Atomsphäre, als sich die Streiter am Montag in aller Herrgottsfrühe in Gifhorn einfanden. Hier mal ein nervöses Lachen, dort ein misstrauisches Beobachten der Konkurrenz, kurz die Stimmung war zum Bersten geladen, wollte sich doch keiner in die Karten schauen lassen.

 

Um 5.30 Uhr trafen alle (bis auf Torben, der leider erst im Laufe des Tages zu uns stoßen sollte) am Forellensee in Osloss ein. Diese, zu dieser Jahreszeit doch noch relativ frühe Uhrzeit verdankten wir einem sehr ungeduldigem Individuum, welches die felsenfeste Meinung vertrat, dass die Sonne zu diesem Zeitpunkt schon weit am Firmament stehen würde und das Angeln unverzüglich beginnen könnte. Doch leider weit gefehlt. Anfang April 5.30 Uhr Ortszeit in Osloss war es wieder Erwartungen: stockdunkel! Während einige Wenige dieses Phänomen der Dunkelheit auf die Jahreszeit schoben, stand (im Nachhinein) für die Mehrzahl fest, dass die Ursache der Vulkanausbruch auf Island sein musste. Die riesige Aschewolke, welche die Sonne verfinsterte, konnte auch das ansonsten stets zuverlässige Individuum nicht erahnen und ist somit von einer Schuld gänzlich freizusprechen. Neben der tiefschwarzen Schwärze (!) war die schneidende Kälte ein weiterer Faktor, den es bei der Jagd auf die Schuppenmonster zu beachten galt. Während einige der Heroen die Witterungsbedingungen mannhaft ertrugen, ließen sich wiederum andere in einem Anfall aus Verweichlichung und Verzweiflung dazu verleiten, die Sitzheizung von Sörens Gefährt als lebenserhaltende Wärmequelle zu missbrauchen. Aus diesem Umstand resultierte sogleich auch die erste nennenswerte Aktion des Spiels. Es war Christian, der nach kurzem Gefecht um 6.30 Uhr seine erste Führung verbuchen konnte, da er ausdauernd und konzentriert, den unmenschlichen Bedingungen zum Trotze, über seinen Ruten verharrte. Dieser Treffer tat dem Spiel gut, denn nun mussten auch die anderen aktiv ins Geschehen eingreifen, was schlicht hieß, dass sie ihre warmen Sitze verlassen mussten, um weiterhin am Drücker zu bleiben. Steffen hob dabei nur äußerst widerstrebend seinen Allerwertesten von der warmen Platte, um seinerseits die erste Forelle des Tages für sich zu verbuchen. In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem Sören eine kurze Schwächephase seiner Kontrahenten ausnutzen konnte und innerhalb von nur wenigen Minuten drei Forellen in Serie landen konnte. Dabei legte Sören eine ungewöhnliche Strategie an den Tag, ließ er sich doch O-Ton: "vom Schicksal leiten"! Interessant war jedoch, dass diese Herangehensweise durchaus Erfolge erzielte. Nachdem er beziehungsweise das metaphysische Schicksal seine stationäre Rute mit einer prachtvollen Perücke belegt hatte und ihm somit zu verstehen gab, dass er die Spinnrute mit Spinner (Wie Sören allerdings den Wink des Schicksals verstand, er solle es mit einem weißen Spinner versuchen, bleibt sein Geheimnis! Böse Zungen behaupten allerdings der weiße Spinner war schon montiert und Sören war schlichtweg zu faul, um den Köder auszutauschen.) zum Einsatz bringen sollte, konnte er, sei es nun mit übermenschlicher Hilfe oder anderswie, die Führung von Christian auf ein Minimum reduzieren. Und Carlo, werden Sie fragen, wie erging es ihm, so er doch in aussichtsreicher Position als einer der Topanwärter auf die Trophy in den Wettkampf gestartet war? Tja, der gute Petri war Carlo an jenem Montag nicht wirklich ergeben, so dass sich am Ende des Entscheidungstages lediglich zwei Regenbogener an seinen Haken verirrt hatten. Um es Vorweg zu nehmen, Carlo konnte die Meisterschaft dieses Jahr nicht verteidigen! Dennoch war er den ganzen Tag über stark beschäftigt gewesen, musste doch das Scoreboard gepflegt, die Mannschaft bei Laune gehalten, Erinnerungsfotos geschossen, geraucht und ein Nickerchen gemacht werden. Tja Carlo, mal gewinnen die anderen und mal ist man halt nur der Trikotwart! So ist das, aber auch dieses Jahr gibt’s wieder eine Trophy zu gewinnen! Und auch deine Zeit wird kommen...

 

Das erste Sahnehäubchen des Tages setzte sich Sören auf, in Erwartung auf seinen "Goldi" war er schon den ganzen Tag unglaublich fokussiert darauf gewesen eine Großforelle zu erlegen. Dieses Kunststück gelang ihm auch prompt! "Goldi" ließ sich zwar nicht an seiner Posenmontage blicken, dafür schickte er seinen kleinen farbigen Bruder an Sörens Pastehaken vorbei. Nach kurzen aber heftigen Drill konnte Sören eine stattliche sechspfündige Lachsforelle aufs Trockene ziehen. Dieser Erfolg lies ihn in ungeahnte Sphären entschweben und für kurze Zeit war er der Meinung heute gelänge ihm alles! Aber daraus wurde leider nichts! Christian konnte im Laufe des Tages fünf Regenbogener und einen fast vier Pfund schweren Saibling verhaften. Daher ging die Trophy 2009 verdient, wie alle Beteiligten zugeben mussten, an (stellen Sie sich jetzt bitte ein kurzen Fanfarenstoß vor) Christian! Wurde aber auch mal Zeit, denn er konnte in fünf Jahren noch nicht einen Sieg erringen, so dass ihn in mach dunkler Stunde  diesbezüglich bereits bedenkliche Selbstzweifel plagten! Getrübt wurde sein Siegszug nur von dem Verlust zweier äußerst wertvoller und innig geliebter Wobbler! Während dem ersten ein Büschel Schilfrohr zum Verhängnis wurde, ist der Zweite bedeutend spektakulärer gefallen. Christian schwört bei allen ihm Heiligen, dass es sich genauso und nicht anders zugetragen hat. Nachdem nun der erste Wobbler im Schilf entschwunden war und auch die ganze Palette zur Rettung eines Kunstköders nichts erwirkt hatte, (Mit dem Resultat, dass nach Feststellen der Bremse und panischen Hin-und-her-Geschwinge der Rute die geflochtene Schnur gerissen war!) montierte er seinen neu erworbenen Tiny Fry Vairon an seiner leichten Spinnrute. Schnell noch Söris neue Karabiner davor geschaltet und schon folgten die nächsten Würfe. Dann BANG! ein überirdischer Ruck geht durch Mensch und Material, der laut Christian mindestens von "Goldi" oder seiner Mutter oder ihrer Mutter hätte sein müssen. Das Urvieh brauchte jedoch nur zweimal mit seinem monsterhaften Schädel zu schlagen, um die Angelschnur wie ein eingetrocknetes Gummiband zu zerreißen. (Blöd auch, dass Christian beim Drill vergaß seine, durch die vergebliche Rettungsaktion zuvor,  immer noch festgeknallte Bremse zu lösen.) Und Schwups, nicht nur den nächsten Zehner im See versenkt, sondern auch „Goldi's“ naher Verwandten mit einem nagelneuen Lippenpiercing versehen. Naja, wo gehobelt wird da steht ein Glashaus, nicht wahr?    

 

Was geschah sonst noch an diesem denkwürdigen Tag: Steffen (übrigens ein Phänomen, wie er mit aller Seelenruhe und beängstigender Sicherheit seine Fische fängt) konnte alles in allem neben vier „Normalen“ auch noch eine schöne dicke Bachforelle auf die Schuppen legen und Torben zeigte uns mal wieder mit seinem Kurzauftritt auf deutliche und für einen von uns auf besonders schmerzhafte Weise, dass man für zwei oder mehr Fische nicht unbedingt zehn Stunden angeln muss! Jetzt aber mal im Ernst, für uns war es ein herrlicher Saisonauftakt mit insgesamt 21 Fischen, darunter eine Lachsforelle (2,8 kg), ein Saibling mit 1,7 kg und zwei Bachforellen (ca. 700 g) und nicht zu vergessen Carlos kleiner Barsch! Also eigentlich 22 Fische... Wir hatten schon bedeutend schlechtere Tage erlebt, daher macht das Erreichte Mut auf eine spannende und vielleicht von dem einen oder anderen Katzenwels veredelte Trophy-Saison 2010.

 

 

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